Rauhnächte – die vergessene Zeit zwischen den Jahren

Rauhnächte – die vergessene Zeit zwischen den Jahren

Gehört haben bestimmt die meisten schon davon, aber die wirkliche Bedeutung davon kennen wahrscheinlich die wenigsten. Die Rauhnächte, eine dunkle, furchterregende Zeit, die unsere Vorfahren im Mittelalter jedes Jahr zwischen Heiligabend und dem 6. Januar erleben mussten. Aber wie kamen die Menschen darauf, dass diese mystischen Nächte als so besonders galten? Sind die damit verbundenen Bräuche in der heutigen Zeit noch umsetzbar oder nur ein geschichtlicher Teil aus der Vergangenheit?

Bevor ein Jahr 365 Tage umfasste, war der Kalender nach dem Mond gerichtet, welcher um 11 Tage beziehungsweise 12 Nächte verkürzt war. Die Menschen erzählten sich zu damaliger Zeit, dass in dieser Zeit zwischen den Jahren die Tore zu der „Anderswelt“ offen stehen und alle Wesen in ihrer vielfältigen Art auf die Erde strömen und sich unter die Menschen mischen. So kommen Geister, Tierwesen, verlorene Seelen, aber auch wohlgesonnene Götter zu uns und stellen für uns eine Herausforderung und gleichzeitig einen Segen dar. Zudem wurde erzählt, dass wenn der Sturm in den Nächten durch die Dörfer braust, der Gott Wotan mit seiner Wilden Jagd sein Unwesen treibt. Für die Bauern war diese Zeit eine Vorhersage für das Wetter des kommenden Jahres. Denn so wie dieses an dem entsprechenden Tag der Rauhnacht ist, überträgt es sich auch auf den entsprechenden Monat im folgenden Jahr. So gilt für den 25. Dezember der Januar, für den 26. Dezember der Februar und so werden die restlichen zehn Monate auch auf diese Tage zwischen den Jahren übertragen.

Um sich gegen das das Übel dieser Zeit zu schützen, haben die Menschen bestimmte Rituale entwickelt, welche tatsächlich noch teilweise in unser gegenwärtiges Leben übertragen werden können. Einerseits werden Räuchereien veranstaltet, Tarot-Karten werden gelegt, Blei wird gegossen und die Perchten vertreiben das Böse. Die Gestalten mit den bösartigen Masken bilden die Gegenkraft zu der Wilden Jagd und verscheuchen diese aus den Städten. Auch in Regensburg vertreiben die Perchten jährlich die bösen Wesen aus der Stadt. Aber es gibt auch leichtere Bräuche, die jeder anwenden kann. Zum Beispiel wird in den Rauhnächten ein Licht ins Fenster gestellt, um sich vor bösen Geistern zu schützen. In der Zeit zwischen den Jahren könnte auch der Brauch die Wäsche nicht zu waschen, geschweige denn sie zum Trocknen aufzuhängen, verwirklicht werden. Ebenso könnte es Balsam für die Seelen sein, in diesen zwölf Tagen sich nicht zu streiten oder zu fluchen, sondern die Menschen um einen herum einfach so zu akzeptieren, wie sie sind und die Ruhe bewahren. Deshalb sollte man auch in dieser Zeit besonders gut zuhören und seinen Liebsten Aufmerksamkeit schenken. Liebespaare empfehle ich sich in der ruhigen Zeit so häufig zu sehen, wie es ihnen möglich ist, da dies das Band zwischen den Liebenden für das neue Jahr verstärkt. Generell sollte man in den vergessenen Tagen barmherzig und zuvorkommend sein und von Herzen Geschenke verteilen sowie Bettler und Bedürftige nicht abweisen. Außerdem ist es ein Brauch der Rauhnächte, sich an Silvester gegenseitig zu beglückwünschen. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der erste Wunsch, den ihr erhaltet, von jemandem des anderen Geschlechts kommt.

Also seid friedlich, hilfsbereit und gütig zu euren Mitmenschen, genießt die ruhige Zeit und nehmt euch nicht zu viel vor. Vielleicht könnt ihr auch den ein oder anderen Brauch in euren besinnlichen Alltag integrieren und vertreibt so das Grauen für das kommende Jahr. Ich wünsche euch schöne Weihnachtsferien und viel Zeit mit euren Liebsten.

Die Perchten in Regensburg – Das Doana-Gsindl

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