Regensburger Schüler wollen keinen Exit

Regensburger Schüler wollen keinen Exit

Bild1: Gruppenfoto: v.l.n.r.: Klaus Grepmeier, Anna Lengsfeld, Florian Heuberger, Lena Rodenbäck, Luisa Bertsch, Sascha Schneider

 Am EU-Projekttag an der FOS/BOS halten 492 Schüler wenig vom Verlassen der EU.

von Sascha Schneider

Der zweite EU-Projekttag der Beruflichen Oberschule wurde erneut einem kontroversen wirtschaftspolitischen Thema gewidmet. Neben einer fiktiven Europawahl äußerten die Schüler auf einer anonymen Plattform ihre Meinung zu europäischen Themen. Die Ergebnisse präsentierten Luisa Bertsch (F13S1), Florian Heuberger (F12W6), Anna Lengsfeld (F13S2) und Lena Rodenbäck (F12W1).

Eine absolute Mehrheit gäbe es nur bei einer Großen Koalition mit zwei gleich starken Parteien, während Rot-Rot-Grün knapp unter 50% bleiben. Die Tierschutzpartei und die Satire-Partei zeigt sich erstaunlich beliebt mit jeweils knapp vier Prozent und liegen damit noch vor der AfD. Bertsch: „Eine Aufteilung den Ausbildungsrichtungen (Wirtschaft, Technik, Sozial, Gesundheit) nach überraschte, da die AfD doppelt so häufig bei den Technikern gewählt wurde im Vergleich zu den anderen.“ Die Schüler wählten im Vergleich zum Vorjahr häufiger die vier traditionellen Parteien. Alle anderen Parteien verloren Stimmen.

Soll Deutschland es den Briten nachmachen und ebenfalls aus der EU aussteigen? Über 9 von zehn Schüler lehnten dies ab. Diesem klaren Votum folgte ein sehr gemischtes. Es gab genauso viel Schüler, die für mehr Abschottung gegenüber Einwanderung stimmten, wie für mehr Aufnahme von Migranten. Jeder dritte Schüler war „eher nicht“ dafür, die Türkei in die EU aufzunehmen und jeder zweite sogar überhaupt nicht. Rodenbäck meinte, dass die aktuellen Vorgänge in der Türkei schlecht ankämen bei den Schülern. Fast 80 Prozent erwarten negative wirtschaftliche Auswirkungen für die Region Regensburg durch den Brexit.

Darauf antwortete Klaus Grepmeier mit einem Referat über den Wirtschaftsstandort Regensburg im Herzen Europas. Seit über zehn Jahren ist er als EU-Koordinator für die Stadt Regensburg tätig. Dabei berät er Regensburger Unternehmen und Institutionen bei einer kommunalrelevanten Projektentwicklung. Laut Grepmeier kennen sich viele Akteure nicht ausreichend gut. Darüber hinaus unterstützt er sie dabei, Anträge auf EU-Fördermittel zu stellen. Dabei betonte er, dass nur Anträge im niedrigen einstelligen Bereich erfolgreich sind. Den Wirtschaftsraum Regensburg sieht er nicht nur durch die bekannten Global Player, sondern auch durch einen starken Mittelstand im Wettbewerb der Regionen gut positioniert. Grepmeier: „Regensburg hat in den letzten 10 Jahren immerhin 23.000 zusätzliche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen.“ Neben den bekannten Leitbranchen überraschte er viele Schüler mit den durch die Stadt Regensburg fokussierten Zukunftsclustern in Bio-, IuK-Technologie, Sensorik, E-Mobilität, Kultur- und Kreativwirtschaft und Gesundheitswirtschaft. Regensburg wolle weiterhin im Prognos Zukunftatlas einen der vorderen Plätze belegen. In Bayern liefere sich die Stadt ein Kopf-an-Kopf Rennen mit den üblichen Verdächtigen München, Erlangen und Ingolstadt. Als zukünftige Herausforderung für Regensburg nennt er neben der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und einer starken Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft auch, dass Regensburg jung bleiben müsse. Die Folgen des Brexits lassen sich nur schwer einschätzen. Laut Grepmeier müssten während der 2-jährigen Austrittsverhandlungen ganze 40 Rechtsakte pro Tag geändert werden. Einerseits sei Großbritannien das für Deutschland wichtigste Exportland in der EU. Jede zweite Neuzulassung dort sei ein Auto deutscher Marke. Andererseits denkt BMW über eine Verlegung der Produktion des elektrischen Mini aus dem Stammwerk in Oxford nach Regensburg nach.

Wirtschaftslehrer Sascha Schneider organisierte den EU-Projekttag, um Schülern die internationale Tragweite der Regensburger Unternehmen zu verdeutlichen. Erfreut über das EU-freundliche Wahlergebnis ließ er kurz vor der endgültigen Wahl in Frankreich sämtliche am EU-Projettag teilnehmenden Schüler noch über einen möglichen Frexit abstimmen. Auch hier zeigte sich eindeutig, dass man mit einem Exit an der FOS/BOS nicht punkten kann.

Bild2: Schülerpräsentation: v.l.n.r.: Lena Rodenbäck, Florian Heuberger, Luisa Bertsch, Anna Lengsfeld

Bild3: Plenum

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