Unternehmensporträt: Tierleasing auf Biobauernhöfen

Unternehmensporträt: Tierleasing auf Biobauernhöfen

Ein Beitrag von Rebecca Höllerer

Das Bewusstsein für Tier und Umwelt steigt. Und das ist auch gut so. Denn die Menschen müssen sich bewusst mit den Ressourcen unserer Erde auseinandersetzen. Trotzdem ist vielen Menschen nur wichtig, dass sie viele Nahrungsmittel für einen sehr niedrigen Preis bekommen. Immer mehr, immer billiger.

Aber wer zahlt letztlich den Preis für billig angebotenes Fleisch? Die Tiere. Denn sie müssen für diese Supermarkt-Angebote leiden. Um sich von dieser Massenfertigung abzugrenzen, setzen viele konventionelle landwirtschaftliche Betriebe auf „Bio“.

Im Jahr 2015 bewirtschafteten 9 % aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland Biobauernhöfe. Nur mit dem gekennzeichneten EU-Bio-Siegel darf sich ein landwirtschaftlicher Betrieb „Biobauernhof“ und der Landwirt seine Produkte „bio“, „öko“ oder „aus kontrolliert biologischem Anbau“ nennen. Lebensmittel dürfen nur als „bio“ deklariert werden, wenn sie bestimmten Kriterien erfüllen wie z.B. artgerechter Tierhaltung, Verzicht von chemischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln oder auch den Einsatz von Gentechnik. Es bestehen auch alternative Bio-Anbauverbände wie z.B. Biokreis. Deren Vorgaben sind strenger und sie vergeben eigene Zeichen.1

Viele Menschen sind sich dennoch nicht sicher, ob das gekaufte Produkt tatsächlich „bio“ ist und das Tier artgerechte Haltung erleben durfte. Um diese Gewissheit zu erlangen, kann man auf einem ausgewählten Biobauernhof Tiere leasen lassen. Der Biobauer Anton Dapont betreibt Tierleasing. Davor war er jahrelang Geschäftsführer eines Recyclingunternehmens, seine Frau Pianistin. Nach einem Burnout traf er die Entscheidung, sein Leben zu ändern und neue Energie durch das Führen eines Biobauernhofes mit Tieren zu tanken.2 Im Jahr 2004 erwarb das Ehepaar einen ca. 300 Jahre alten Hof im malerischen und ruhigen Niederbayern und renovierte diesen in den folgenden Jahren. Dapont und seine Frau möchten altes Kulturgut erhalten, eine Landwirtschaft im Einklang von Natur, Tier und Mensch führen und gesunde Nahrungsmittel erzeugen. Sie haben sich auf alte Haustierrassen, wie zum Beispiel die Aubrac-Rinder und die Turopolje-Schweine, spezialisiert. Alte Tierrassen haben den Vorteil, widerstandsfähiger und resistenter gegenüber Krankheiten zu sein. Anton Dapont lässt seine Aubrac-Rinder, Turopolje-Schweine und Lämmer der Alpinen Steinschafe leasen.3

Tierleasing ist im Prinzip eine Lohnmast“, erklärt Anton Dapont. Als Lohnmast wird der Kauf von beispielsweise einem Kalb bezeichnet. Das gekaufte Tier gehört zwar dem Kunden, bleibt aber im Hof des Landwirtes und wird dann von diesem aufgezogen, bis es die Schlachtreife erreicht hat. Denn es gibt wahrscheinlich nur sehr wenige Kunden, die ihr Tier selbst halten können.4

Auch lassen sich einzelne Tiere eher finanzieren. Ein Ferkel kostet 140 Euro im Alter von acht Wochen. Der Kunde muss allerdings noch monatlich 38 Euro Futterkosten an den Landwirt zahlen. Das heißt, das Schwein kostet bei Schlachtreife 520 Euro. Zusätzlich werden aber noch Schlachtkosten gefordert, welche durch das Schlachten, Zerteilen und Verpacken entstehen. Diese belaufen sich auf 100 bis 170 Euro, je nach Verarbeitung. Insgesamt belaufen sich die Kosten für das Schwein auf insgesamt 620 bis 690 Euro. Für 50 Kilogramm Fleisch. Dieser Preis ist absolut gerechtfertigt, denn ein Kilogramm Schweinefleisch kostet durchschnittlich 12 bis 13 Euro. Dieser Betrag ist außerdem akzeptabel, da man weiß, dass das Tier ein artgerechtes Leben hatte.5

Leasing als monatliche Einnahme des Landwirts

Doch ist das Tierleasing für die Landwirte rentabel? Können diese davon leben? Welche Risiken bestehen für Landwirt und Kunde? Und warum ist das Tierleasing so erfolgreich? Heutzutage sind Landwirte vom Weltmarkt abhängig. Das ist für die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe ein Nachteil der Globalisierung.

Für Landwirte gibt es zwei strategische Möglichkeiten, um von ihrem Hof leben zu können: Entweder sie produzieren in großen Mengen – Massentierhaltung – oder sie entwickeln besondere Ideen. Durch das Tierleasing entsteht die Möglichkeit einer Direkt-vermarktung und damit einer Marktunabhängigkeit.6

Normal hat der Landwirt ja keine monatlichen Einnahmen, sondern nur wenn er etwas verkauft. Jeder Landwirt hat wie jeder normale Unternehmer seine monatlichen Zahlungen zu leisten, beispielsweise seinen Strom, seine Versicherung und weitere Fixkosten. Durch das Leasing hat auch der Landwirt eine monatliche Einnahme. Durch diese kann er die monatlichen Grundkosten abdecken, die anfallen. Das ist ein riesiger Vorteil für den Landwirt“, erklärt Dapont.7

Doch kann der Landwirt wirklich von Tierleasing leben? Das Ehepaar verleast etwa 100 Ferkel und sieben bis acht Rinder pro Jahr. Diese Menge ist für es absolut ausreichend. „Und unser Ziel ist es nicht, damit reich zu werden, sondern davon leben zu können“, macht Dapont deutlich. 8

Es stellt sich noch die Frage, ob für den Landwirt und für den Kunden Risiken bestehen. Der Kunde hat insofern eigentlich keine Nachteile. Das Einzige, was der Käufer benötigt, ist Geduld. Denn es gibt Wartelisten für das Tierleasing und natürlich muss dieser auch das Jahr bis zum Schlachtzeitpunkt abwarten. Der Landwirt trägt das Risiko. Denn wenn dem Tier in der Zwischenzeit etwas passiert, ist es vertraglich gesichert, dass der Kunde ein Ersatztier bekommt.9

Ist Tierleasing unternehmerisch erfolgreich?

Anton Dapont 10 erläutert abschließend seine Überzeugung:

Bei allem, was Sie gern machen, haben Sie Erfolg. Egal was und welchen Beruf Sie machen, wenn Sie etwas gerne machen, haben Sie Erfolg. Wenn Sie es nur ungern machen oder nur wegen des Geldes oder weil Sie müssen, werden Sie nie Erfolg haben. Das heißt also, das erste Erfolgsgeheimnis ist: Sie müssen es gern machen, mit Überzeugung und mit Begeisterung und dann sind Sie auch erfolgreich. Sie müssen daran glauben, was Sie machen. Wenn Sie Ideen entwickeln und daran glauben, dann funktioniert es. Und Sie brauchen auch Durchhaltevermögen. Speziell am Anfang, wenn Sie etwas aufbauen. Wie in jedem Beruf.“

Quellenangaben:

1. Interviewpartner:

Dapont, Anton, Landwirt des Biobauernhofes „Hausberg“

2. Internetseiten:

Anton Dapont, unsere Philosophie Dapont, Anton: Unsere Philosophie, in: biohof-hausberg.de: unsere Philosophie, 2011 – 2015. Internetpublikation unter: www.biohof-hausberg.de (Stand: 06.01.2017)

Süddeutsche Zeitung, Kühe wie bestellt Schinkels, Pauline: Kühe wie bestellt, in: Süddeutsche Zeitung.de: Wirtschaft, 21.10.2015. Internetpublikation unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tierleasing-kuehe-wie-bestellt-1.2701630 (Stand: 06.01.2017)

Deutschlandfunk, Krise bei den Biobauern Heintze, Dorothea: Krise bei den Biobauern, in: deutschlandfunk.de: Landwirtschaft, 05.06.2014. Internetpublikation unter:

http://www.deutschlandfunk.de/landwirtschaft-krise-bei-den-biobauern.724.de.html?dram:article_id=288377 (Stand: 06.01.2017)

agrarheute, Tierleasing Krenn, Vorname: Ratgeber: Tierleasing – Per Lohnmast direkt vermarkten, in: agrarheute.de: Produktion und Förderung, 29.12.2014. Internetpublikation unter:

http://www.agrarheute.com/news/ratgeber-tierleasing-per-Lohnmast-direkt-vermarkten (Stand: 06.01.2017)

Anton Dapont, Burnout Dapont, Anton: Burnout, die neue Volkskrankheit, wer kennt sie nicht, in: antondapont.com, unbekanntes Datum.

Internetpublikation unter: http://www.antondapont.com/ueber-mich/ (Stand: 11.01.2017)

1 Vgl. Interview mit Anton Dapont, Biobauer auf dem Hausberghof, Seite 1

2 Vgl. Anton Dapont, Burnout

3 Vgl. Anton Dapont, unsere Philosophie

4 Vgl. Interview mit Anton Dapont, Biobauer auf dem Hausberghof, Seite 2

5 Vgl. Interview mit Anton Dapont, Biobauer auf dem Hausberghof, Seite 7

6 Vgl. Interview mit Anton Dapont, Biobauer auf dem Hausberghof, Seite 4

7 Vgl. Interview mit Anton Dapont, Biobauer auf dem Hausberghof, Seite 6

8 Vgl. Interview mit Anton Dapont, Biobauer auf dem Hausberghof, Seite 12

9 Vgl. Interview mit Anton Dapont, Biobauer auf dem Hausberghof, Seite 6

10 Vgl. Interview mit Anton Dapont, Biobauer auf dem Hausberghof, Seite 13

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