Bericht aus Holland: Erfahrungen beim Auslandsstudium

Bericht aus Holland: Erfahrungen beim Auslandsstudium

 

Hi, ich stelle mich mal kurz vor.

Ich bin Esmii, 21 und vor zwei Jahren war ich an dem Punkt, an dem viele von euch im Moment sind. Gerade fertig mit den Abiturprüfungen, einen langen Sommer vor mir, bevor der nächste Abschnitt beginnt.

Für mich ging es vor knapp zwei Jahren mit einem großen Umzugswagen und meiner besten Freundin an meiner Seite knapp 900km nach Holland, nach Leeuwarden. Ich werde euch einen kleinen Einblick in mein Studium und das Leben hier geben.

„Warum Holland?“, fragen sich wahrscheinlich einige

Ich wollte schon immer weg aus Deutschland. Es gibt so viel zu sehen auf der Welt, so viele Orte, an denen ich noch nicht war – Holland hat dazu gehört.
Die Uni hier war aber der ausschlaggebende Punkt. Ich studiere Internationales Hotel Management an der NHL Stenden. Wir sind eine sehr internationale Uni mit Studenten aus der ganzen Welt. Ich hatte schon Unterricht mit Studenten aus China, Spanien, Rumänien, Ungarn, Griechenland, Aruba und vielen mehr. Ich finde es toll, in Kontakt mit den ganzen verschiedenen Kulturen treten zu können und mehr darüber zu lernen. Ein weiterer Punkt war, dass Holland nicht komplett aus der Welt ist. Im Notfall bin ich innerhalb eines Tages daheim.

War es einfach, sich hier zurecht zu finden?

Ja und nein. Ich bin extra früher angereist, damit ich Zeit habe, mir hier alles anzuschauen und mich zurecht zu finden. Wir hatten auch eine Einführungswoche von der Uni, bei der wir alles erklärt bekommen haben und von zwei sehr lieben Studentinnen aus dem zweiten Jahr betreut wurden. Die Woche ist echt erinnerungswürdig. Wir sind jeden Tag auf einer anderen Party gewesen, von Black & White bis Jungle Party, während wir tagsüber die Uni und die Stadt erkundet haben.
Ansonsten sind die Holländer sehr offen, freundlich und aufgeschlossen. Leeuwarden ist eine Studentenstadt mit sehr vielen internationalen Studenten und man wird nie schief angesehen, weil man kein Niederländisch spricht.

Spreche ich jetzt fließend Niederländisch?

Nein, würde ich aber gerne. *Lacht* Ich verstehe schon sehr viel, weil es sehr ähnlich zum Deutschen und Englischen ist, aber wenn sie anfangen, schneller oder über Sachen zu reden, die ich nicht kenne, bin ich trotzdem etwas verloren. An der Uni brauche ich es nicht, weil wirklich alles auf Englisch abläuft, vom Unterricht bis zu den Prüfungen. Das finde ich manchmal etwas schade, da ich mir denke, dass ich es ansonsten schon viel besser sprechen könnte. Ansonsten unterhalten wir uns alle auf Englisch miteinander, das geht auch gar nicht anders, so viele Sprachen kann man gar nicht sprechen, wie wir hier Nationalitäten haben. Mittlerweile bin ich aber wieder etwas mehr dahinter, mehr Niederländisch zu sprechen und zu lernen. Ich denke es ist einfach schön, dass man sich in der Landessprache verständigen kann.

Hatte ich Heimweh und habe ich meine Freunde von zu Hause noch gesehen?

Oh ja, ich hatte sogar extremes Heimweh, obwohl ich das gar nicht so erwartet hätte. Ich hatte geplant, das erste Mal zu Weihnachten nach Hause zu fahren, also ungefähr vier Monate nach Beginn des Studiums. Naja, sagen wir mal so, das wurde nichts. Nach gut zwei Monaten habe ich extrem Heimweh bekommen, dann auch meine Sachen gepackt, bin für eine Woche heimgefahren und habe meine Freunde überrascht. Danach habe ich dann gelernt, dass das Heimweh dadurch nur verstärkt wird, weil man alle wiedersieht und sie dann umso mehr vermisst. Mit der Zeit hat sich das aber gelegt. Es dauert einfach ein bisschen, bis man sich einlebt und Freunde findet, das geht nicht einfach so von heute auf morgen.
Mit meinen Freunden habe ich noch immer Kontakt und wenn ich in Deutschland bin, sehe ich sie immer alle wieder. Natürlich ist es etwas anderes, wenn man sich nicht mehr jeden Tag in der Schule trifft und man auch nicht so oft Zeit zum Facetimen oder Schreiben hat, aber ich denke, man lernt dadurch gut, wer die wahren Freunde sind. Mit denen muss man nicht jeden Tag Kontakt haben, um zu wissen, dass sie da sind. Ich habe mir anscheinend die richtigen Freunde ausgesucht, da ich mit allen noch guten Kontakt habe.

Wie ist das Unileben hier so? Ist es anders als in Deutschland?

Ja definitiv und das war auch einer der Gründe, warum ich hier und nicht in Deutschland studieren wollte. In Holland ist alles viel praktischer ausgelegt, auf kleinere Gruppen und Teamarbeiten. Davon bin ich zwar nicht der allergrößte Fan, aber ich komme zurecht.
In Deutschland ist es sehr verbreitet, dass sehr viele Studenten in einem großen Saal sitzen und der Professor eine Vorlesung hält. Das haben wir auch, aber in ganz anderen Maßen. Ich bin immer wieder überrascht und schockiert von meinen Freunden in Deutschland zu hören, dass sie bis zu sechs Stunden Vorlesung am Stück haben. Bei uns ist das Maximum 1 1/2 Stunden. Wir werden in jedem Modul in Gruppen von bis zu zwölf Studenten aufgeteilt, mit denen wir Unterricht haben und an Problemen arbeiten.
Viele werden sich jetzt denken: Modul, was ist das? Wir haben keine Semester wie in Deutschland, sondern ein Semester wird in zwei Module von 10 Wochen aufgeteilt. Ein Modul besteht a us acht Wochen Unterricht, einer Prüfungswoche und einer freien ‚Lernwoche‘, in der viele gerne nach Hause fahren. Durch dieses System haben wir vier Mal im Jahr Prüfungen, aber dafür nicht zehn verschiedene zur selben Zeit. Außerdem haben wir danach wirklich frei, bei uns muss keiner im Sommer noch an Hausarbeiten arbeiten.

Bereue ich es, alles aufgegeben zu haben und hergezogen zu sein?

Klare Antwort: Nein. Ich fühle mich extrem wohl hier und würde es auf jeden Fall wieder machen.

Arbeite ich nebenbei?

Nicht im konventionellen Sinne. Ich arbeite für das deutsche Promotionteam, mit dem ich auf Messen in ganz Deutschland fahre und unsere Uni promote. Das macht immer extrem viel Spaß und ich habe schon viele coole Städte in Deutschland dadurch zu sehen bekommen. Ansonsten ist es gar nicht so leicht, einen Job hier zu finden. Gute Kenntnisse des Niederländischen sind einfach eine Voraussetzung, die ich nicht habe und die wenigen Stellen für Internationale sind sehr begehrt. Ich denke aber, wenn man wirklich arbeiten möchte, findet man auch etwas.

Kiffen die Leute hier wirklich so viel, wie man immer behauptet?

*Lacht* Ja und nein. Dadurch dass es legal ist, hier Gras zu rauchen, ist es natürlich vor allem bei Studenten beliebt. Man gewöhnt sich mit der Zeit an die ganzen Coffee Shops und nimmt es gar nicht mehr so wahr. Jedenfalls ging es mir damit so. Es ist einfach nichts Besonderes hier.

Wie habe ich mich während der Zeit verändert?

Ich würde sagen, ich bin extrem aus mir herausgekommen. Nicht dass ich davor übermäßig schüchtern war oder so, aber ich habe einfach viel darüber gelernt, wer ich bin, was mich interessiert und wo ich irgendwann sein möchte. Ansonsten habe ich gelernt, Durchhaltevermögen zu haben und dass nicht alles immer so läuft, wie man das möchte und das Leben auf ganz natürliche Weise Hochs und Tiefs hat.

Was steht im Studium bei mir als nächstes an?

Ich fange im September mit meinem dritten Jahr an und bin dann auch nur noch ein halbes Jahr in Holland. Es ist verrückt, wie die Zeit verfliegt. Ich hätte mir das vor zwei Jahren alles noch gar nicht so vorstellen können und jetzt informiere ich mich aktuell darüber, was ich alles zu beachten habe, wenn ich im Februar nach Bali fliege und danach weiter nach China, um für insgesamt ein halbes Jahr noch weiter ins Ausland zu gehen. Danach muss ich noch zehn Monate ein Praktikum machen, meine Bachelorarbeit schreiben, bis ich fertig bin. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich gerne in die USA gehen. Aber Asien finde ich auch sehr interessant.

Was würde ich anderen empfehlen?

Verlasst eure Komfortzone und lasst euch auf etwas Neues ein. Das muss jetzt nicht heißen, gleich in ein anderes Land zu ziehen, aber vielleicht einfach mal an einen Ort gehen, an dem man keinen kennt, um neue Kontakte zu knüpfen. Oder bei der Firma anrufen, bei der man so gerne arbeiten möchte und fragen, ob sie eine Stelle frei haben und welche Qualifikationen man mitbringen muss. Einfach mit kleinen Dingen anfangen.

Autorin: Esmeralda Pilz

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