Warum ich heute noch Bücher lese

Warum ich heute noch Bücher lese

Wenn ein Fremder mein Zimmer betritt, fallen ihm sofort zwei Dinge auf: Meine Bücher und meine zwei Computerbildschirme. Warum zwei Bildschirme? Damit ich auf dem zweiten Bildschirm immer eine Serie laufen lassen kann. Ja, ich weiß, zur heutigen Zeit von Streaming-On-Demand-Diensten wie Netflix oder Amazon-Prime sind Bücher nicht mehr das beliebteste Mittel, um eine gute Geschichte zu erleben. Die schiere Qualität und Quantität von Serien und Filmen, die mit einem Mausklick zur Verfügung stehen, ist unglaublich. Von Krimi und Romantik zu Fantasy und Anime, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Aber trotz allem sind Bücher für mich immer noch die erste Wahl, wenn ich Zeit für mich habe, eine Couch und ein warmes Feuer, das im Kamin brennt. Warum? Um ehrlich zu sein, weiß ich es selbst nicht genau. Bücher waren einfach schon immer ein Teil meines Lebens.

Die ersten Bücher

Die ersten Bücher habe ich nicht gelesen, sondern gehört. Sie wurden mir vorgelesen. Von meinem Vater, um genau zu sein. Bei uns war es eine Art Ritual, dass er mir jeden Abend ein Kapitel der „Wilden Kerle“ vorlas. Um 10 nach 8 war Klein-Bernd dann also Bett bereit, fest in seine Decke eingewickelt und bekam eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen. Als ich dann schließlich alt genug war, wurde mir nicht mehr vorgelesen und ich durfte die Geschichten auf eigene Faust erkunden.

Ich habe diese Kindheitserinnerung, wie ich angeschnallt im Rücksitz unseres Autos sitze und meiner Mutter Straßenschilder vorlese. Weil ich das so gut konnte, hat sie mir damals immer ein Buch zur Belohnung gekauft. Meistens waren es aber „Lustige Taschenbücher“, also eigentlich eher Comics. Deshalb kann man meine Büchervorliebe natürlich auch der Erziehung meiner Mutter zuschreiben. Sie hat mich regelrecht darauf konditioniert, Bücher mit etwas Positivem zu verbinden.

Als ich dann mit 10 Jahren Harry Potter kennengelernt habe und ich von meinem Dorf-Leben in die Welt von Magie und Zauberei geworfen wurde, war ich süchtig. Stunden hab ich damals zugebracht mir auszumalen, wie mein Brief aus Hogwarts ankommen würde und was meine Eltern davon denken würden. Ich war und bin eben ein Tagträumer.

Mein Lieblingsgenre

In meiner Jugendzeit bin ich dem Fantasy Genre verfallen. Ich konnte einfach nicht genug von irgendwelchen auserwählten Jugendlichen mit besonderen Kräften, die die Welt vom Untergang retten, bekommen. Percy Jackson war da ein großer Einfluss auf mich und hat mein Interesse an griechischer Mythologie geweckt. Skulduggery Pleasent hat mir die Magie auf eine neue Weise gezeigt und mich auch für die Erwachsene Schreibweise offener gemacht.

Und Eragon war das erste große Fanatsy-Epos nach Harry Potter, das mich dann komplett verschlungen hat. Ich habe mich wieder in eine Welt verliebt und konnte mich selbst an der Seite von Eragon aufwachsen sehen.

Aber wie sieht es heute mit meinen Lesegewohnheiten aus? Nun, ich bin immer noch in das Fantasy Genre verliebt. Jedoch bin ich längst  nicht mehr so anspruchslos, die Fantasy Klischees nerven mich mittlerweile und so bin ich auf zwei Welten gestoßen, die diesem Genre einen neuen Anstrich verpassen: Zamonien von Walter Moers und die Scheibenwelt von Terry Pratchett. Beide Autoren nehmen ihre eigene Geschichte nicht zu ernst und bauen viele Elemente aus der echten Welt in sie ein.

Ich bin in den vergangenen Jahren Erwachsener geworden, habe mich entwickelt und so, diese Vermutung möchte ich zumindest aufstellen,  ist das auch mit dem Lesen.

Warum lese ich also noch?

Jeder, der noch nie in seinem Leben ein Buch gelesen hat, welches mehr als 300 Seiten hat, wird verzweifeln, wenn er vor ein Buch mit 1000 Seiten gesetzt wird und dieses lesen soll. Aber das ist normal. In unserer heutigen Zeit ist unsere Aufmerksamkeit ständig neuen Reizen ausgesetzt, Handys, Fernseher, Musik, usw. Für eine Stunde auf ein Stück Papier zu starren, ist da erstaunlich schwierig und erfordert gewisse Anstrengung. Selbst ich finde es nach einigen Monaten, in denen ich nur Serien und Filme geschaut und keine Bücher in der Hand gehalten habe, anstrengend, wieder mit dem Lesen anzufangen. Aber trotzdem. Nur mit einem Buch in der Hand in eine andere Welt zu entfliehen, ist für mich magisch. Kein teurer Fernseher, keine Spezialeffekte und keine talentierten Schauspieler braucht es dafür. Nein, einfach nur ein Stück Papier mit ein  paar Zeichen darauf und in meinem Kopf entsteht eine eigene kleine Welt, in der ich für ein paar Stunden eintauchen darf.

 

Fotos: Bernd Hofmann und Pixabey

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