Briefe an einen Engel
Die Tinte tropft auf das Papier und ein kleiner tiefblauer Fleck verunstaltet den Brief, den ich an meinen Engel geschrieben habe. Jede Nacht schreibe ich einen neuen Brief, aber ich habe noch nie eine Antwort bekommen. Noch einmal lese ich mir durch, was ich geschrieben habe.
„Geliebter Engel, auch, wenn du mir nie zurückschreibst, habe ich dich nie aufgeben. Ich weiß, dass du immer bei mir bist und mich beschützt. Doch warum erhörst du meine Gebete nicht, obwohl ich jede Nacht aufbleibe, um zumindest den Schatten deiner Flügel von dem Mond erkennen zu können. Heute habe ich eine Feder gefunden und lege sie in diesen Brief, den ich dir schicken werde. Sie ist wunderschön und ich wünschte, ich hätte auch solche Flügel. Du siehst also, dass mein Wunsch immer noch der Selbe ist, wie in meinen vorherigen Briefen. Wenn du mich nur irgendwie hörst, dann antworte bitte und erfülle mir diesen einen Wunsch. Vielleicht weißt du es ja, dass heute mein Geburtstag ist. Dieser Brief ist mein letzter. Seit ich zehn bin, schicke ich ihn dir jede Nacht. Und jetzt bin ich zwanzig. Obwohl ich mir einmal geschworen hatte, dass ich dir bis an mein Lebensende schreiben werde, mein Engel, habe ich längst den Glauben daran verloren, jemals wie du zu sein. Wenn dieses Stück Papier dich erreicht, dann weißt du, dass ich mich geschlagen gebe. Du sollst nur noch eines wissen, bevor ich nun aufhöre zu glauben: Mein Engel, ich werde dich immer lieben“.

